Erfahrungsbericht über die Wahlstation in der Konzernsteuerabteilung der Lufthansa Group

1. Wie kam ich zur Lufthansa Group?

Von Dezember 2024 bis Februar 2025 absolvierte ich meine Wahlstation als Rechtsreferendarin in der Konzernsteuerabteilung der Lufthansa in Frankfurt.

Meine Motivation war es, das Steuerrecht aus der Perspektive einer Juristin im Unternehmen kennenzulernen. Zuvor hatte ich im Studium sowie im Referendariat den Schwerpunkt Steuern gewählt und sodann Einblicke in das steuerliche Beratungsumfeld verschiedener Großkanzleien sowie in die Finanzverwaltung erhalten.  Mich interessierte insbesondere, wie steuerliche Fragestellungen im Unternehmenskontext strategisch eingeordnet und praktisch umgesetzt werden. Diese Perspektive erschien mir als sinnvolle Ergänzung zu meiner bisherigen Ausbildung.

2. Wie lief das Bewerbungsverfahren ab?

Eine offizielle Stellenausschreibung für Referendarinnen in der Konzernsteuerabteilung gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Über mein persönliches Netzwerk erhielt ich jedoch den Kontakt zu Steuerberaterinnen im Unternehmen, die meine Bewerbung unterstützten.

Nach Übersendung meiner Unterlagen wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Das Gespräch war vor allem auf meine Motivation, mein steuerliches Interesse und meine bisherigen Erfahrungen ausgerichtet. Nach dem Gespräch erhielt ich zeitnah eine Zusage.

Unabhängig davon schreibt die Lufthansa regelmäßig Stellen für ReferendarInnen in der Rechts- oder Konzernsteuerabteilung auf ihrer Karriereseite aus, sodass sich eine Bewerbung lohnen kann.

3. Wie sieht das Berufsbild von Juristinnen und Steuerberaterinnen im Unternehmen aus? 

Die Tätigkeit von Juristinnen und Steuerberaterinnen im Unternehmen unterscheidet sich deutlich von der klassischen anwaltlichen oder steuerberatenden Praxis. Die Tätigkeit ist beratend, koordinierend und prozessorientiert.

Im Mittelpunkt steht die Unterstützung der Unternehmensleitung und der Fachabteilungen in sämtlichen steuerlichen Angelegenheiten. Dabei sind steuerliche Überlegungen häufig Teil größerer wirtschaftlicher Entscheidungsprozesse.

Die Arbeit ist interdisziplinär und erfordert neben steuerrechtlichem Fachwissen auch ein Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge. Steuerrecht als Querschnittsmaterie weist zahlreiche Berührungspunkte zu anderen Rechtsgebieten auf, sodass ein breites juristisches Verständnis vorausgesetzt wird.

Zu den typischen Kernaufgaben gehören z.B. die Analyse und Bewertung steuerlicher Sachverhalte, die Mitwirkung bei der Erstellung von Steuererklärungen, die Vorbereitung und Begleitung von Betriebsprüfungen, die Kommunikation mit Finanzbehörden, die Umsetzung neuer steuerlicher Vorgaben sowie die Sicherstellung der Einhaltung steuerlicher Pflichten und Optimierung interner Prozesse. 

3. Meine Ausbildung und Tätigkeiten in der Konzernsteuerabteilung

Während meiner Station konnte ich vielfältige steuerrechtliche Fragestellungen eigenständig bearbeiten. Die Tätigkeit umfasste unter anderem die Prüfung grenzüberschreitender Mitarbeiterentsendungen mit Blick auf die Vermeidung von Doppelbesteuerung, die rechtliche Würdigung von Konzernsteuerrichtlinien in konzerninternen Verträgen, die Mitarbeit an Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen, die Unterstützung bei der Analyse und Bewertung komplexer steuerlicher Sachverhalte sowie die Teilnahme an internen Besprechungen und fachlichen Abstimmungsprozessen.

Die erarbeiteten Ergebnisse besprach ich regelmäßig mit meinen Ausbildern und erhielt konstruktives Feedback. Besonders wertvoll war die Möglichkeit, an internen Entscheidungsprozessen teilzunehmen und fachliche Diskussionen mitzuerleben.

Die Konzernsteuerabteilung umfasste verschiedene Spezialisierungsbereiche, darunter Umsatzsteuer, Verrechnungspreise, Lohnsteuer, Körperschaftsteuer, steuerliche Compliance sowie die Begleitung von Betriebsprüfungen. Dadurch erhielt ich einen Einblick in die steuerliche Organisation eines international tätigen Konzerns.

5. Welche Herausforderungen stellten sich für mich? 

Steuerrecht im Konzernkontext ist eine komplexe Materie. Bei der Prüfung konzerninterner Verträge im Hinblick auf Verrechnungspreise war es mitunter herausfordernd, sämtliche wirtschaftlichen Leistungsbeziehungen vollständig zu erfassen und zutreffend einzuordnen.

Dabei wurde mir bewusst, dass betriebswirtschaftlichen Kenntnisse, die in der juristischen Ausbildung leider nicht vermittelt werden, im Unternehmensumfeld von erheblicher Bedeutung sind. Gleichzeitig war es lehrreich, wirtschaftliche Zusammenhänge stärker mitzudenken und juristische Fragestellungen in einen größeren unternehmerischen Kontext einzuordnen.

6. Welche Erfahrungen fand ich besonders positiv? 

Während meiner Station konnte ich unter anderem die Übernahme eines Mitbewerbers miterleben, die auf vielen Ebenen sehr einzigartig und interessant war. 

Darüber hinaus empfand ich die Arbeitsatmosphäre in der Abteilung als sehr angenehm. Besonders geschätzt habe ich die offenen fachlichen Diskussionen sowie den persönlichen Austausch im Team. Gemeinsame Mittagspausen im Aviation Center mit Blick auf startende und landende Flugzeuge prägten die besondere Arbeitsumgebung. Auch Veranstaltungen wie die Weihnachtsfeier boten die Gelegenheit, andere Unternehmensbereiche kennenzulernen und Einblicke in unterschiedliche Berufsbilder (z.B. das eines Piloten und dessen Berufsalltag) zu erhalten.

7. Mein Fazit 

Die Wahlstation in der Konzernsteuerabteilung war für mich fachlich und persönlich sehr bereichernd. Während in der steuerlichen Beratung häufig die optimale Gestaltung, das Begleiten einer Transaktion oder die Bewertung rechtlicher Risiken im Vordergrund steht, beginnen Entscheidungen im Unternehmen regelmäßig mit wirtschaftlichen Überlegungen. Die steuerrechtliche Einordnung erfolgt oftmals im zweiten Schritt.

Als Referendarin konnte ich einen Einblick erhalten, wie unternehmerische Entscheidungsprozesse ablaufen und welche betriebswirtschaftlichen Erwägungen ihnen zugrunde liegen. Dadurch weitete sich mein Blick über die rein rechtliche Betrachtung einzelner Sachverhalte hinaus.

Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass mir im Unternehmenskontext teilweise die klassische steuerliche Gestaltungsberatung fehlt, da hierfür häufig externe Kanzleien oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaften beauftragt werden. Der Arbeitsalltag war stark projekt- und teamorientiert und von zahlreichen Abstimmungen und Meetings geprägt. Diese Arbeitsweise unterscheidet sich deutlich von der Tätigkeit einer Richterin, einer Verwaltungsjuristin oder einer klassischen Rechtsanwältin.

Die Station hat mir ermöglicht, neue Arbeitsweisen kennenzulernen und meine eigenen beruflichen Präferenzen besser einzuordnen. Insgesamt halte ich es für sehr wertvoll, im Referendariat unterschiedliche Berufsfelder auszuprobieren. Dies erleichtert nicht nur die spätere Berufswahl, sondern bietet auch eine hervorragende Gelegenheit, ein berufliches Netzwerk aufzubauen und den eigenen Blick für unterschiedliche juristische Tätigkeiten zu schärfen.

8. Interesse geweckt? 

Bei Interesse an einer Station in der Konzernsteuerabteilung der Lufthansa Group könnt ihr euch gerne an per Mail oder über Discord an Uns wenden, um nähere Infos über das Bewerbungsverfahren und Kontaktdaten zu erhalten. 

Unser Mitglied ist derzeit als Volljuristin in der Verwaltung  tätig und absolvierte ihre Wahlstation in der Konzernsteuerabteilung der Lufthansa Group. Dieser Erfahrungsbericht soll StudentInnen und ReferendarInnen einen Einblick in die Station bei einer Steuerabteilung eines Unternehmens geben. [GE1] 


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