Der Soldan Moot Court

Wissenswertes & persönliche Erfahrung

Seit Jahren bietet der Soldan Moot Court Studierenden die Möglichkeit, bereits im Studium einen wertvollen Einblick in die anwaltliche Praxis zu erhalten und die Verbindung zwischen juristischer Theorie und praktischer Argumentation zu erleben. In diesem Beitrag erhältst du die wichtigsten Fakten zum Soldan Moot Court und einen Erfahrungsbericht zum Durchgang 2025.

Der Soldan Moot Court im Überblick

Der Soldan Moot Court zur anwaltlichen Berufspraxis ist ein bundesweiter Moot-Court-Wettbewerb für Studierende deutscher juristischer Fakultäten zu Fragen des anwaltlichen Berufsrechts und des Zivilrechts. Auf Grundlage eines fiktiven Falls verfassen die Teilnehmenden wie in der anwaltlichen Praxis Schriftsätze und führen mündliche Verhandlungen vor einem simulierten Gericht. Das Finale findet in Hannover statt. Zuvor werden in verschiedenen Städten Pre-Moots angeboten. Besonders reizvoll ist gerade dieser Moot Court, weil Studierende das deutsche Zivilrecht praxisnah erproben und ihr erworbenes Wissen in realitätsnahen Situationen einsetzen können. Neben vertieften juristischen Kenntnissen erwerben die Teilnehmenden Schlüsselkompetenzen wie freie Rede, Argumentationstruktur und Teamarbeit. Weitere Informationen findest du unter https://soldanmoot.de.

Recap 2025

Als Teilnehmerin (sog. Mootie) habe ich am diesjährigen Soldan Moot Court 2025 teilgenommen und dabei die Universität Bielefeld repräsentiert. Mit der Aushändigung des fiktiven Falls Anfang Juli begann für mich der Moot Court und ging nahtlos in die Klageschriftsatzphase und die ersten internen Crashkurse über. Die Beklagtenschriftsatzphase setzte einen Monat später mit der Erwiderung auf den Klageschriftsatz eines anderen Teams ein. Nach Abgabe des letzten Schriftsatzes am 4. September 2025 begannen wir unmittelbar mit der Vorbereitung auf die mündlichen Verhandlungen. Wir führten nahezu täglich teaminterne Probeverhandlungen und lernten, wie Verhandlungen im Soldan Moot Court geführt werden. Wichtig sind eine sichere Körperhaltung, konstanter Blickkontakt zur vorsitzenden Person, eine präzise Ausdrucksweise und vor allem tragfähige juristische Argumente. Ziel ist es, die Redehoheit in der Verhandlung souverän zu behaupten, dabei den Redeanteil im Team geschickt zu koordinieren, Einwände gezielt aufzugreifen und das Gericht somit von der eigenen Position zu überzeugen. Es folgten externe Probeverhandlungen in Kanzleien sowie Probeverhandlungen unter Leitung und Betreuung von Professorinnen der Universität Bielefeld. An den Wochenenden nahmen wir an Pre-Moots teil, unter anderem an der Freien Universität Berlin und der Bucerius Law School in Hamburg. Sie umfassten zahlreiche Verhandlungen in kurzer Folge, begleitet von Feedback erfahrener Praktiker*innen, die als Juror*innen fungierten. Abends boten Rahmenprogramme Gelegenheit zum Netzwerken.  Die intensive Vorbereitung forderte ihren Tribut, bereitete uns jedoch optimal auf den Wettbewerb in Hannover vor. Dieser fand vom 8. bis 11. Oktober 2025 statt und umfasste neben den Verhandlungen weitere Programmpunkte zum Netzwerken sowie Interviews zum Anwaltsrecht und Karriereperspektiven. Ein Höhepunkt war der von der Bundesrechtsanwaltskammer ausgerichtete Bankettabend im Welfenschloss. Der Soldan Moot Court endete mit der Finalrunde und der Verleihung zahlreicher Preise an die Teams.

Real Talk: Erwartungen vs. Realität

Die Vorbereitung war intensiv, zugleich geprägt von vielen schönen Momenten, spannenden Diskussionen und großartigen Menschen. Besonders reizte mich, dass das deutsche Zivilrecht im Mittelpunkt steht, sodass sich die im Studium erworbenen Kenntnisse unmittelbar anwenden lassen. Mir war bewusst, dass die Teilnahme wegen der zahlreichen auswärtigen Termine zeitintensiv sein würde. Der Moot Court erwies sich als noch zeitaufwendiger, als ich zunächst erwartet hatte. Die Schriftsatzphasen waren von regelmäßigen Treffen geprägt, in denen wir recherchierten, diskutierten und unsere Ergebnisse gemeinsam zu schlüssigen Schriftsätzen zusammenführten. Schon früh zeigte sich, dass diese Form der Zusammenarbeit eine Schlüsselkompetenz ist, die im klassischen Jurastudium kaum vermittelt wird. Die zeitintensivere Phase begann mit den Probeverhandlungen. Interne und externe Probeverhandlungen sowie Pre-Moots an den Wochenenden ließen nur wenig Zeit für andere Aktivitäten. Mit guter Organisation ist dies zwar zu bewältigen, doch der zeitliche Aufwand sollte keinesfalls unterschätzt werden. Im Verlauf des Moot Courts wurde deutlich, dass Feedback, wie im Jurastudium allgemein bekannt, naturgemäß individuell und subjektiv ist. Zwar wird den Juror*innen ein Bewertungsbogen zur Verfügung gestellt, der eine einheitlichere Beurteilung unterstützen soll, dennoch erwies sich das erhaltene Feedback als perspektivabhängig. Was einzelne Juror*innen kritisierten, hielten andere an derselben Stelle für unproblematisch.

Meine Teilnahme am Moot Court hat wesentlich dazu beigetragen, dass ich mich im freien juristischen Sprechen deutlich sicherer fühle. Im Jurastudium hat die mündliche Argumentation oft nur nachrangiges Gewicht. Ein Moot Court ermöglicht es, solche Fähigkeiten frühzeitig und realitätsnah zu trainieren. Beim Moot Court gilt Learning by Doing: Der Einstieg ist mitunter ungewohnt und bisweilen anspruchsvoll, doch mit der Unterstützung der Coaches und des Teams gut zu bewältigen. Ich möchte insbesondere Studierende in höheren Semestern ermutigen, noch vor Abschluss des Studiums an einem Moot Court teilzunehmen. Gerade mit Blick auf die mündliche Prüfung im ersten Staatsexamen haben mir die Erfahrungen aus dem Wettbewerb spürbar geholfen.

Autorin: Jennifer Haak

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